Es gibt auf jüdischer und auf palästinensischer Seite Menschen, die sich für den Frieden einsetzen, viele von ihnen seit Jahren. Die jüdische Autorin Deborah Feldman spricht sich bei Markus Lanz deutlich für den Frieden aus. Feldman hat zusammen mit 100 jüdischen Intellektuellen einen Brief unterzeichnet, um das Feindbild in Bezug auf die Palästinenser aufzulösen, und erzählt auch von ihrer Freundschaft mit Palästinensern in Deutschland.
„Es gibt eine erhebliche Stimme in der israelischen Gesellschaft und in der Diaspora, die nach einem Ende der Gewaltspirale schreit. Ich bin eine dieser Stimmen“, erklärt Feldman. (00:57)
„Wir haben gesehen, an dem Tag der Angriffe der Terrororganisation Hamas, dass die Menschen, die zur Zielscheibe dieses Terrors wurden, so Menschen waren wie ich es bin. Offene, liberale, humanistische und friedensliebende Menschen. Diese Menschen sind ungünstig für das Vorhaben der rechtsnationalen israelischen Regierung. Wenn die Familien dieser Opfer aufschreien, will man sie nicht hören. Die Opfer sind uns nur insoweit nützlich, als wir damit Gewalt rechtfertigen können. Es gab eine sehr emotionale Diskussion, nachdem wir über diese Angriffe erfahren haben, und es wurde immer wieder wiederholt: Es gibt keinen Kontext, keine Rechtfertigung, keine Erklärung für diese Gewalt. Im selben Atemzug sagen wir: Es gibt einen Kontext für die Gewalt gegen Palästinenser. Wir können nicht auf beiden Hochzeiten tanzen! Entweder gibt es keine Rechtfertigung für Gewalt gegen alle unschuldigen Zivilisten, oder wir müssen dann anfangen über Kontext immer zu reden.“ (3:10)
Feldman warnt eindringlich davor, den Holocaust zu „instrumentalisieren“, um „weitere Gewalt zu rechtfertigen“(5:10). Sie äußert sich entsetzt darüber, wie „Juden in Prinzip hier nur als Juden gelten können, wenn sie das rechtskonservative Vorhaben der israelischen Regierung darstellen“. (8:57)
„Warum ertönt nie der Schlachtruf ‚free Palestine from Hamas‘?“ fragt der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo später, und Feldman antwortet:
„Weil die Israelis selbst wissen, dass Netanjahu die Hamas wollte. Er wollte keine Verbindung zur palästinensischen Autorität, er wollte keine Möglichkeit eines palästinensischen Staates, er hat nach dem Prinzip ‚Teile und Herrsche‘ gedacht“. (28:00)
Gewalt führt zu mehr Gewalt, Krieg führt zu mehr Krieg, Aufrüstung führt zu noch mehr Aufrüstung. Dies zu durchbrechen muss hier meiner Meinung nach unser Ziel sein.