„Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn Russland versucht hätte, ein zweites Mal eine Kubakrise heraufzubeschwören. Oder in Venezuela, Nicaragua oder Bolivien Militärstützpunkte gegen die USA errichten würden. Wir hätten genau dieselbe Krise wie damals auf Kuba. Das Strategic Air Command war in der Luft mit Atombomben zum Angriff! (…) Wir werden nicht von Russland bedroht. Es wird uns eine Gefahr halluziniert, die zu keinem anderen Zweck als der strategischen Geopolitik der USA und ihrer Machtausdehnung dient.“ (31:25)
„Wir brechen aus dem Irrenhaus unserer Politik ein für allemal aus. Wir beschließen, frei zu sein. Und dann sind wir bei dem, was Wolfgang Borchert sagen konnte, 1946, in Basel auf dem Krankenlager: ‚Ein Vermächtnis an die Menschheit: Mann an der Werkbank: Wenn sie wiederkommen und Dir sagen, du sollst statt Kochgeschirr und Wasserrohre Kanonen und Handgranaten ziehen, Mann an der Werkbank, sag nein! Mann im Labor, wenn sie wiederkommen, und dir sagen: Du sollst den neuen Tod erfinden, gegen das alte Leben: Mann im Labor, sag nein! Und Mutter in Deutschland – Mutter in der Ukraine! – wenn sie wiederkommen und dir sagen du sollst Kinder gebären, Jungen für die Front, Mädchen für die Spitäler: Mutter in Deutschland, und Mutter in der Ukraine, sag nein! Und Pfarrer auf der Kanzel, wenn sie wiederkommen und dir sagen, du sollst die Waffen segnen und den Krieg als Gottesurteil verkünden: Pfarrer auf der Kanzel, sag nein! Denn wenn ihr nicht nein sagt, wird es stets so weitergehen, und immer schlimmer bleiben.‘ Ich danke Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit.“ (Ende)
Eugen Drewermann beim Kongress „Ohne Nato leben – Ideen für den Frieden“ am 21. Mai 2022 in Berlin.
Was haben zwei Jahre Corona mit uns als Gesellschaft gemacht? Sagen wir noch, was wir denken, oder nur noch, was wir denken sollen? Wie entsteht Framing? Welche Rolle spielen unsere Universitäten dabei? Können Wissenschaftler auch dabei helfen, Framings zu durchbrechen? Damit große, globale Narrative uns nicht mehr auf Trab halten und unsere Ängste schüren, gilt es meiner Meinung nach der Frage nach Ursachen und Wirkungsweise einer so tiefgreifenden Beeinflussung unserer Gesellschaft nachzugehen, um ein mündiges Miteinander im Sinne der Aufklärung und eine gesunde Debattenkultur wiederzuerlangen. Ein aufschlussreiches Gespräch über die Mechanismen, welche einer folgenschweren medialen Manipulation zugrunde liegen mit Nikolai Zinke, aus sozialpsychologischer Sicht. (Text: Angela Mahr)